Warum ich Laizist bin

19. November 2017  aus Gladbeck

Ralf Michalowsky
Jahrgang 1950, verheiratet, zwei Söhne, Beruf: Dipl.-Ökonom (soz.-wiss.)
Sohn aus der „Mischehe“ einer pflichterfüllten katholischen Mutter und eines an Religion nicht interessierten evangelischen Vaters. 😉

Ja, ich war Messdiener, weil meine Mutter es so nett fand. Zweimal habe ich „gedient“, dann war Schluß damit. An meinem 21. Geburtstag bin ich aus der kath. Kirche ausgetreten. Ich wollte das beim Pastor machen, doch der schickte mich zum Gericht. Mein erster erfolgreicher Kontakt mit einem Gericht fand dann am selben Tag statt.

Kirchlichen Zeremonien, die mich trotzdem erreichten, stand ich immer skeptisch gegenüber. Besonders das dümmliche Pfaffen-Geschwafel bei katholischen Beerdigungen war mir immer ein Dorn im Auge. Deshalb betreibe ich eines der größten Internetportale für weltliche Trauerredner. Man muss Alternativen anbieten!

Als ich 2010 in NRW Landtagsabgeordneter der LINKEN und deren religionspolitischer Sprecher wurde, konnte ich ganz neue Erfahrungen sammeln. Den Lobbyismus der Kirchen im Landtag lernte ich sehr schnell kennen; zwei Wochen nach unserem Einzug erreichte mich, als Parlamentarischem Geschäftsführer, die Anfrage aus „dem Büro des Beauftragten der Evangelischen Kirche“, welche Religionszugehörigkeit unsere 11 Abgeordneten denn hätten. Das hat er natürlich nicht erfahren.

Einige Anfragen zum Thema Kirche und deren Zusammenwirken mit den Behörden und der Politik, festigten schnell meinen „schlechten Ruf“. In der LINKEN gründeten wir die LAG Laizismus und später die BAG Laizismus auf der Bundesebene mit inzwischen über 800 Mitgliedern.

Mehr als 80 % der Mitglieder der LINKEN sind konfessionsfrei, trotzdem gelingt es den staatstragenden und den entristischen Kräften auch in meiner Partei immer wieder, die Politik unserer Partei auf einen Schmusekurs mit den Kirchen zu bringen. Ich habe überhaupt kein Verständnis für Äußerungen von linken Promis wie: „ich fürchte mich vor einer Gesellschaft ohne Religion“ oder „wir brauchen die Werte die von den Kirchen vermittelt werden“. Auch wenn gerade Wahlkampf ist, sollte man sich als aufgeklärter Politiker solche Anbiederung sparen.

Seit etwa acht Jahren bin ich gerne IBKA-Mitglied und habe mich sehr gefreut, als ich kürzlich in den Beirat des IBKA gewählt wurde.


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